Jährlicher Schüleraustausch mit unserer Partnerschule in Frankreich
Unser regelmäßiger Schüleraustausch mit dem Lycée Agricole la Faye
in St. Yrieix / Frankreich wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk
und dem Bezirk Mittelfranken finanziell gefördert.

Grenzüberschreitender Austausch: Agrarberufe auf Lehrfahrt in Frankreich
Unsere diesjährige Lehrfahrt bot ein fachlich anspruchsvolles Programm, das weit über den klassischen Unterricht hinausging. Besonders der intensive Austausch mit den französischen Schülerinnen und Schülern sowie die Einblicke in andere kulturelle Werte und Arbeitsweisen prägten diese Reise nachhaltig. Ein besonderer Dank gilt dem Bezirk Mittelfranken sowie dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) für die großzügige Unterstützung, durch die dieser bereichernde Schüleraustausch und die wertvollen Einblicke vor Ort erst ermöglicht wurden.
Montag, 23.03.2026
Am Montag startete das Programm für die Woche mit einer Begrüßung des Direktors der französischen Schule. Dort erfuhren wir einiges über das französische Ausbildungssystem und die Schule. Es gibt insgesamt 180 landwirtschaftliche Schulen in Frankreich, die Schule Lycée Agricole la Faye in St. Yrieix la Perche zählt jedoch zu den Kleinsten, diese bildet in den Fachrichtungen Landwirt/in, Fachkraft Agrarservice und Direktvermarkter/in in einer vollschulischen Ausbildung aus. Im weiteren Verlauf boten die französischen Lernenden Einblicke in spezifische landwirtschaftliche Produktionsverfahren, etwa durch Vorträge zur kombinierten Fleisch- und Milchschafhaltung.
Dieser Programmpunkt markierte das erste persönliche Kennenlernen zwischen den französischen Schülerinnen und Schülern und unserer Gruppe.
Im Anschluss folgte eine Führung über das Gelände des angrenzenden Betriebs, welcher zu der Schule gehört zusammen mit den französischen Schülern. Dort erhielten wir Einblicke in die Lehrwerkstatt, die überwiegend von Fachkräften für Agrarservice genutzt wird, um praktische Erfahrungen zu sammeln. In der Lehrwerkstatt werden zum Teil unter der Anleitung der Lehrkräfte Baupläne geplant und diese Maschinen gebaut, die anschließend im Betrieb eingesetzt werden. Hierzu stehen der Schule jährlich 10.000 € zur Verfügung. Außerdem werden Endmontagearbeiten für Landmaschinenhersteller durchgeführt, um weitere finanzielle Mittel gestellt zu bekommen. Der Betrieb führt 70 % der Agrarwirtschaft in Zusammenarbeit mit den Schülern durch, um praktische Fertigkeiten zu erwerben.
Außerdem gehört eine Limousin-Rinderhaltung mit 100 Mutterkühen, welche nur in den Wintermonaten im Stall gehalten werden, eine Mutterschafhaltung mit 160 Schafen in Weidehaltung und ein Lämmermaststall zum Betrieb. Außenwirtschaftlich stehen ihnen insgesamt 210 Hektar zur Verfügung. Davon sind 150 Hektar Grünland. Der Rest ist Ackerfläche, welche mit Direktsaat bewirtschaftet wird, werden für den Getreideanbau genutzt, um die Kraftfutterversorgung der Tiere sicher zu stellen. Ein weiterer Betriebszweig ist der Obstanbau mit einer 10 Hektar großen Apfelpantage. Die Vermarktung der Produkte erfolgt über Erzeugergemeinschaften, aber auch über die Direktvermarktung vor Ort in einem Hofladen. Die Führung beendeten wir mit einer Verkostung, welche von den französischen Schülerinnen und Schülern mit der Ausbildungsrichtung Vermarktung vorbereitet wurde, mit Produkten, die im Betrieb produziert wurden, wie z. B. Apfelsaft aus den Äpfeln der Plantage oder einen Aufstrich aus Kälberfleisch aus der Mutterkuhhaltung.
Nach dem Mittagessen besichtigten wir einen Betrieb, der Rapsölproduktion betreibt, dieser bewirtschaftet insgesamt 150 Hektar, wobei die Hälfte ohne Bodenbearbeitung (Direktsaat) und die andere Hälfte mit reduzierter Bodenbearbeitung bewirtschaftet wird. Die Fruchtfolge umfasst 45 Hektar Raps, 45 Hektar Sonnenblumen, 50 Hektar Getreide (Weizen, Gerste und Triticale) sowie 10 Hektar Leguminosen. Ein wichtiger Betriebszweig des Betriebs ist die Ölproduktion. Aktuell liegt die Jahresleistung bei 15.000 Liter, wobei perspektivisch 30.000 bis 40.000 Liter möglich wären. Aus einer Tonne Raps entstehen ca. 400 Liter Öl, bei Sonnenblumen ca. 300 Liter. Zum Pressen sollte der Raps 7 bis 8 % Feuchtigkeit haben. Der Betrieb setzt dabei auf frühe Sorten, um Verunkrautung vorzubeugen.
Als zweiten Betrieb schauten wir uns einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Saatgutvermehrung und Rennpferdehaltung an. Auf diesem werden Gerste, Mais, Sonnenblumen, Sojabohnen und Raps angebaut, wobei Sojabohnen noch im Versuchsanbau angebaut werden und wirtschaftlich bisher kaum Bedeutung haben. Die Erträge liegen je nach Kultur zwischen 20 und 100 dt/ha. Die Bodenbearbeitung ist mit etwa 5 % sehr gering. Der Großteil der Ernte wird am Hof gelagert. Gerste und Hafer dienen als Futtermittel für die eigenen Pferde, während andere Produkte teilweise verkauft oder weiterverarbeitet werden. Insgesamt werden rund 80 % der Futtermittel vermarktet. Auf dem Betrieb werden etwa 50 Rennpferde gehalten und von 15 Arbeitskräften betreut. Es besteht eine Zusammenarbeit mit zwei Trainern und zwei Standorten. Der Betrieb produziert teilweise eigenes Stroh, kauft aber zusätzlich etwa 25 Tonnen Stroh pro Monat zu und verkauft auch Strohballen während der Ernte. Außerdem bewirtschaftet der Betrieb 35 ha Grünland und 50 ha Wald.
Zum Abschluss des Tages ging es gemeinsam mit französischen Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zu einem feierlichen Empfang ins Rathaus von Saint-Yerieix-la-Perche. Der frisch wiedergewählte Bürgermeister begrüßte alle Anwesenden und freut sich über das zahlreiche Erscheinen. In seiner Ansprache lobt er besonders die gute Partnerschaft und betont, wie wichtig es gerade in der jetzigen Zeit ist, zusammenzuhalten und die gemeinsamen Werte zu pflegen.
Auch Herr Popp, der Beauftragte der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf des Bezirks Mittelfranken, richtete einige Worte an die Gäste und unterstreicht die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit.
Im Anschluss spricht Waldemar Hein als Vertreter und Organisator des BSZ-Ansbachs und verdeutlicht die Worte seiner Vorredner. Zum Abschluss überreichten die deutschen Schülerinnen und Schüler Gastgeschenke und der Abend fand bei regionalen Spezialitäten ein großartiges Ende.
Dienstag, 24.03.2026
Nach dem Frühstück ging es für uns mit dem Bus nach Rouffignac zu einer Besichtigung der Höhlenmalereien.
Die Höhle entstand vor etwa 75 Millionen Jahren und wurde über Millionen von Jahren von Wasser geformt. Früher floss hier ein unterirdischer Fluss, der die Gänge und Kammern auswusch. Noch heute kann man an den Wänden erkennen, wie hoch das Wasser stand. Insgesamt erstreckt sich die Höhle über mehrere Kilometer und verschiedene Ebenen. Besonders beeindruckend war die große Hauptachse mit vielen seitlichen Gängen und Galerien, welche wir mit einer kleinen Bahn durchfuhren.
Im Inneren konnten wir zahlreiche natürliche Formationen erkennen, wie Stalaktiten, die über lange Zeit durch kalkhaltiges Wasser entstanden sind. An der Decke sahen wir runde Auswaschungen, die ebenfalls durch die Kraft des Wassers entstanden sind. Außerdem gibt es in der Höhle Stellen mit rotem Lehm, der später auch von Menschen für deren Malereien genutzt wurde. Früher lebten hier Höhlenbären, die bis zu 3 Meter groß werden konnten und in der Höhle Winterschlaf hielten. Ihre Nester sind teilweise noch erkennbar. Die Tiere sind allerdings schon vor etwa 30.000 Jahren ausgestorben. Menschen nutzten die Höhle nicht als Wohnort, sondern hielten sich eher im Eingangsbereich oder unter Felsvorsprüngen auf.
In der Höhle selbst findet man ca. 200 Höhlenmalereien. Besonders häufig sind Darstellungen von Mammuts, die oft einander gegenüberstehen. Diese Art der Darstellung ist typisch für die Region. Außerdem gibt es Zeichnungen von Nashörnern und Bisons, die teilweise sehr realistisch und detailreich gestaltet sind. Die Künstler nutzten verschiedene Techniken, je nachdem, wie hart das Gestein war. Für härtere Flächen verwendeten sie zum Beispiel Mangandioxid, während sie mit dem Lehm Formen modellierten. Trotz der schwierigen Bedingungen – Dunkelheit, wenig Licht und unebene Wände – entstanden die Bilder vermutlich in relativ kurzer Zeit.
Um überhaupt in der Höhle arbeiten zu können, nutzten die Menschen Fettlampen als Lichtquelle. Trotzdem war es sehr dunkel, und man kann sich gut vorstellen, wie viel Mut es gekostet haben muss, so tief in die Höhle hineinzugehen. Man geht davon aus, dass die Malereien nicht aus praktischen Gründen entstanden sind, sondern eher eine spirituelle Bedeutung hatten.
Später wurde die Höhle noch auf andere Weise genutzt, zum Beispiel als Krematorium. Außerdem gibt es sogar Graffiti aus dem 18. Jahrhundert. Damit Besucher die Höhle heute besichtigen können, musste sie aufwendig erschlossen werden.
Es war faszinierend zu sehen, wie viel Geschichte in einem solchem Ort steckt.
Beim Mittagessen auf dem Direktvermarkter-Hof ‚L'étable gourmande‘ erhielten wir einen Einblick in die französische Küche. Vor Ort wurde ein viergängiges Menü serviert.
Anschließend waren wir auf einem Milchviehbetrieb, dort konnten wir die Stallungen und den restlichen Betrieb erkunden. Dieser Betrieb hat 140 Milchkühe und bewirtschaftet 200 Hektar Betriebsfläche davon sind 100 Hektar extensiv bewirtschaftetes Grünland, 30 Hektar Luzerne und 60 Hektar Mais und 10 Hektar Raps. Der Betrieb konzentriert sich auf die Futtergewinnung und bewässert zu diesem Zweck etwa 90 Hektar Fläche, hauptsächlich, um durch den Anbau von Mais und Luzerne die Grundfutterversorgung der Kühe sicherzustellen. Sie haben in dieser Region ungefähr 800 Liter Jahresniederschlag, jedoch kommt dieser zu 80 % in den Monaten Oktober bis März, deshalb muss für einen gelungenen Ackerbau bewässert werden. Das Grünland kann aufgrund des Niederschlags nur 1 – 2 im Jahr geerntet werden.
Die 140 Milchkühe sind im größten Teil die Rasse Holstein, zum Aufbessern der Milchinhaltsstoffe nutzen sie ein paar Kühe der Rasse Montbéliard. Diese melken im Jahr zusammen rund 1.4 Mio. Liter Milch, was zu einer Milchleistung von 10.000 Litern pro Tier und Jahr führt. Die moderate Milchleistung ist primär auf die hohen Temperaturen zwischen Mai und September zurückzuführen, die häufig Werte von über 40 °C erreichen. An Tagen mit extremer Wärmebelastung im Stall verzeichnet der Betrieb einen durchschnittlichen Rückgang der Milchleistung um 12 kg pro Kuh. Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen führen zudem zu einem verringerten Aufwuchs und einer reduzierten Grasqualität, was die Milchleistung zusätzlich begrenzt. Die Wiesen können lediglich zwei Mal gemäht werden. Um diesen Ertragsverlust auszugleichen, baut der Betrieb zusätzlich Luzerne an, auf den Flächen sind 3-4 Schnitte möglich, allerding nur mit Bewässerung vor dem 3. und 4. Schnitt.
Die Futterration besteht aus 15kg Luzerne, 25 kg Mais, 7 kg Corn-Cob-Mix, 3 kg Sojaextraktionsschrot, 2 kg Getreideschrot. Daraus resultieren 3,8% Fett und 3,2% Eiweiß.
Die hochleistenden Kühe werden mittels gesexten Spermas besamt, um gezielt nur die besten Kühe für die eigene Nachzucht zu verwenden.
Die weniger leistenden Kühe werden mit Fleischrassen besamt und anschließend entweder als Kälber oder Fresser je nach Preis verkauft. Übersteigt die Zahl der Nachkommen 45 Tiere, werden diese veräußert. Derzeit ist der Bestand jedoch unter dem angestrebten Niveau, sodass keine Tiere zum Verkauf stehen und die gesamte weibliche Nachzucht betriebsintern genutzt wird. Dies wird alles mit 3 Gesellschaftern, einem Azubi sowie einem Festangestellten gemeistert.
Nach der einstündigen Rückfahrt vom Milchviehbetrieb zum Wohnheim in St. Yrieix-la-Perche konnten sich die Schülerinnen und Schüler beim gemeinsamen Abendessen erneut mit den französischen Austauschpartnern beim gemeinsamen Fußballspiel austauschen.
Mittwoch, 25.03.2026
Am Mittwoch besuchten wir den Schulstandort Lycée agricole de Loisellerie in der Nähe von Angoulème. Die Schule liegt direkt an einem Schloss, welches aus dem 15. Jahrhundert stammt. Das Schloss wird einmal jährlich für eine Weinausstellung genutzt in Zukunft sind auch noch weitere öffentliche Veranstaltungen geplant.
An dem Schulstandort gibt es Milchviehhaltung, Mutterkuhhaltung, Ackerbau und Weinbau mit Cognacherstellung. Von insgesamt 200 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche sind 34 Hektar Weinbau die anderen 166 Hektar werden auf Raps, Weizen, Gerste, Mais, Luzerne und Grünland aufgeteilt.
Die Milchviehhaltung besteht aus 70 Milchkühen der Rasse Holstein, Montbéliard und französischem Braunvieh. Diese befinden sich aktuell noch in einem 40 Jahren alten Stall mit Melkstand. Jedoch ist aktuell ein neuer Stall mit Melkroboter für 70 Milchkühe und 20 Mutterkühe in Planung. Die Investitionskosten hierfür belaufen sich auf 3,5 Millionen Euro.
Die Futterration besteht aus Maissilage, Grassilage, Luzerneheu und Mineralfutter diese ist für 30 Liter Milchleistung ausgelegt. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 8500 Kilogramm pro Kuh und Jahr, die Milch wird zu einem Preis von ca. 50 ct/kg an eine Molkerei, welche hauptsächlich Butter produziert, geliefert.
Die Mutterkuhhaltung wurde in der Vergangenheit mit der Rasse Limousine betrieben, mittlerweile werden auch Angusrinder eingesetzt.
Der Weinbau spielt an dieser Schule bzw. Region durch die Cognacherstellung eine besonders große Rolle. Die 34 ha Wein teilen sich in 26 ha Anbaufläche für die Cognacherstellung und 8 ha für Traubensaft und Weinherstellung auf. Wir durften durch Zufall an diesem Tag zuschauen, wie eine neue Anbaufläche angelegt wurde. Eine Neuanlage erfolgt alle 25-30 Jahre, nach der Neuanlage dauert es 2 Jahre, bis das erste Mal Trauben geerntet werden können und 4 Jahre bis der Weinberg gute Erträge bringt. Die Kosten für die Neuanlage sind sehr hoch, da die Kosten für eine Weinrebe bei 2 € liegt und pro ha ca. 3330 Pflanzen gepflanzt werden. Zudem ist die Bewirtschaftung schwierig, da viele spezielle Maschinen nötig sind, wie zum Beispiel eine spezielle Pflanzenschutzspritze, welche nur die Reben besprüht und alles, was heruntertropft auffängt oder einen Traubenvollernter.
Nach der Traubenernte erfolgt dann die Verarbeitung insbesondere die Cognacherstellung. Hier wird als erstes der Saft aus den Trauben gepresst und Hefe zur Alkoholbildung zugesetzt. Dieser Prozess wäre bereits nach einer Woche abgeschlossen jedoch wird ca. ein Monat gewartet bis mit der Destillation begonnen wird, damit sich ein besserer Geschmack entwickelt. Diese erfordert zwei Durchgänge. Dazu werden erst dreimal je 2500 Liter des vergorenen Traubensafts für 12 Stunden destilliert, was jeweils ca. 800 Liter Destillat ergibt. Diese 800 Liter werden über die drei Durchgänge gesammelt und dann ein zweites Mal für ca. 13 Stunden destilliert. Im Anschluss wird der fertig destillierte Cognac erstmal in Edelstahltanks abgefüllt, damit zum Beispiel Vertreter der zwei Cognac Hersteller Hennesy und Courvoisier diesen probieren können und entscheiden können, ob dieser zum Reifen in Eichenfässer abgefüllt wird. Sie bestimmen auch den Anteil der Fässer, die neu sein müssen. Der gereifte Cognac kann durch die Dauer der Reifung in verschiedene Qualitätsstufen unterteilt werden. VS bedeutet der Cognac ist mindestens 2 Jahre im Fass gereift, VSOP steht für mind. 4 Jahre im Fass gereift, NAPOLEON bedeutet mindestens 8 Jahre im Fass gereift und XO steht für mindestens 10 Jahre Reifung im Fass. Die Schule hat Momentan 274 Fässer mit Cognac gelagert.
Am Nachmittag fuhren wir dann auf die Insel Oleron und frischten uns kurz im Meer bei 13 °C Wassertemperatur ab.
Danach fuhren wir weiter zu einem Landwirt, der sich auf die Austernzucht spezialisiert hat. Ziel dieses Betriebes ist es, wirtschaftlich zu sein. Nebenher ist aber außerdem eine Schule dabei. Der Betrieb hat 1,8 Hektar Wasserfläche für die Austernproduktion und produziert im Durchschnitt 15 Tonnen Austern im Jahr. Als neues Projekt beschrieb uns der Landwirt eine weitere Muschelart zu züchten, die eher rundlich sein soll.
In der Schule unterrichten die Lehrer über Fische, Garnelen und Austern – die üblichen Produkte, die in dieser Region gewonnen werden. Vor allem die Austern sind typisch für Frankreich und die Region und werden vorwiegend roh verzehrt. Weitere Konsumenten finden sich in Ländern, wie Spanien, Portugal und Italien. Die Austernzucht beginnt im Juni/Juli, wenn es besonders warm ist. Dafür werden mit Hilfe von Tellern junge Austernlarven gefangen. Diese schwimmen 3 Wochen nach dem Schlüpfen im Wasser umher und kleben sich an sämtliche Gegenstände. Die gefangenen Austernlarven kommen dann in Säcke die wie ein Netz aussehen. Diese Taschen werden auf Metallgeställe im Meer gepackt und befestigt. Anschließend werden die Säcke regelmäßig gewendet. Dadurch wird die Bildung von Algen und das Ankleben der Austern an den Säcken vermieden.
Die Säcke werden je nach Alter der Austern unterschiedlich bestückt. In den ersten Sack kommen 3000 Austernlarven, die ungefähr 2 kg wiegen. Das Gewicht geht mit zunehmendem Alter hoch. Dass die Austern jedoch immer genügend Platz haben, werden diese nach einer Weile aufgeteilt. Von der Austernlarve bis zur fertigen Auster vergehen 3,5 Jahre.
Der Austernzüchter versteht sich selbst als Landwirt, nur für das Wasser. Ein Vorteil ist dabei, dass er kein Futter einkaufen muss, ein Nachteil jedoch wäre, dass er immer abhängig von dem Meer ist. Beispielsweise ist er bezüglich Krankheiten oder Schädlingen schutzlos. Außerdem berichtete er, dass von anfänglichen 10 Austern nur eine bis zum Verkauf überlebt. Des Weiteren hat er oftmals Zeitdruck, da er abhängig von den Gezeiten des Meeres ist und nur bei Ebbe die Austern einsehen kann.
Die geographische Lage ist eine besondere, da dort die Bucht liegt, an der die meisten Austern weltweit verkauft werden. Er fügt jedoch hinzu, dass nur etwa die Hälfte dort produziert wird und der Rest vor allem aus der Normandie importiert wird.
Nachdem die Austern eine bestimmte Größe erreicht haben, werden sie in extra angelegten Becken gelagert. Dort ist der Süßwasseranteil durch Regenwasser höher, mittels Meerwassers kann dies jedoch wieder ausgeglichen werden. Dies sorgt für einen besonders edlen Geschmack.
Um jedoch die vielen Larven, die sich ständig bilden, weil Austern sehr fruchtbar sind, zu entfernen werden die genannten Säcke in 45 Grad warmes Wasser getaucht. Somit sterben die Larven und die Säcke sind von ihnen befreit. Der Standort besitzt 4000 solcher Säcke im Meer, welche aufwendig immer wieder gereinigt werden müssen. Das Boot kann aber nur 200 Säcke transportieren und somit ist die Reinigung sehr zeitaufwendig.
1 kg Austern zu produzieren kostet dem Betrieb ca. 4 Euro, wenn er diese jedoch zukauft bezahlt er nur um die 3 Euro. Deshalb kaufen viele Austernzüchter Austern zu und machen nur die letzten Schritte, um sie durch die besondere geographische Lage und Ruf besser zu vermarkten. Der Verdienst liegt bei etwa 6,50 Euro pro kg. Die meisten Austern werden um Weihnachten verkauft die Preislage ist durchgehend sehr stabil.
Die Haltbarkeit für entnommene Austern liegt bei bis zu 10 Tage. Je nach Salzgehalt des Wassers können außerdem verschieden Faktoren bevorzugt werden, wie Fleischbildung, bessere Schalenbildung und vieles mehr.
Ebenfalls werden Garnelen herangezüchtet, welche ebenfalls für den Verzehr verkauft werden. Diese werden meist im Mai in eines der Becken gesetzt und Ende Oktober geerntet.
Der Rundgang durch das Gebäude schloss die Besichtigung der Algenproduktion ein, welche primär der Ernährung von Austernlarven dient. Ergänzend findet eine Zucht von Fischlarven statt, die sowohl der Produktion von Speisefischen als auch der Haltung in Aquarien dient. Zum Abschluss durften wir frische Austern verkosten.
Donnerstag, 26.03.2026
Bei dem heute besichtigten landwirtschaftlichen Betrieb handelte es sich um denselben, den wir bereits am Montag besucht hatten; heute wurde zusammen mit den französischen Schülern der verbleibende Teil des Betriebs sowie der Obstanbau mit den eigenen Apfelplantagen in den Fokus gerückt. Zu Beginn erhielten wir einen Überblick über die Fütterung der Tiere. Das betriebseigene Getreide dient als Grundfutter für Schafe und Rinder. Für die Lämmer wird bei Bedarf Kraftfutter zugekauft.
Ein Teil der Nachkommen der Schafe wird zur Nachzucht genutzt, während die übrigen Tiere bei den Mutterschafen bleiben und gemästet werden. Nach 60 bis 70 Tagen haben die Lämmer das Idealgewicht erreicht (20 kg Schlachtgewicht). Der Auszahlungspreis liegt derzeit bei 11 €/kg Schlachtgewicht. Nach dem Absetzen kehren die Mutterschafe wieder auf die Weide zurück. Die Schafe werden zweimal jährlich geschoren, wobei pro Tier Kosten von etwa 2 € entstehen.
Die Getreidesilos werden vor jeder Befüllung gereinigt, gegen Schädlinge behandelt und können belüftet werden, um die Temperatur des Getreides zu regulieren.
Anschließend besichtigten wir die Anlage zur Separierung und Impfung der Tiere. Die Kühe werden vor dem Abkalben gegen Kälberdurchfall geimpft. Die Kälber erhalten Impfungen gegen Kälberdurchfall, Kälbergrippe und verschiedene Lungenerkrankungen. Zusätzlich erfolgt einmal jährlich eine Entwurmung des gesamten Bestandes.
Im Rinderbereich erfuhren wir, dass Deckbullen, welche bei Teststationen waren, bei der Versteigerung mindestens 3.000 € kosten. Derzeit liegen die Preisen jedoch meist zwischen 8.000 und 9.000 €. Besonders hochwertige Tiere können bis zu 70.000 € erreichen und werden häufig an Besamungsstationen verkauft. Alle männlichen Kälber werden auf dem Betrieb gemästet, da der spätere Auszahlungspreis dann höher ist. Mastbullen erzielen tägliche Zunahmen von etwa 1,7 bis 1,8 kg, teilweise auch bis zu 2 kg.
Der Betrieb bewirtschaftet außerdem 10 ha Apfelplantagen, davon 2 ha biologisch und 8 ha konventionell. Im Sommer erfolgt eine Bewässerung der Flächen. Zusätzlich werden Schutznetze gespannt, um die Apfelbäume vor Hagelschäden zu schützen. Eine Apfelplantage bleibt etwa 20 bis 25 Jahre in Nutzung. Im konventionellen Anbau werden bis zu 30 Behandlungen pro Jahr durchgeführt, unter anderem gegen Pilzbefall, Insekten und Läuse. Bereits im Februar wird ein Schutzfilm gegen Läuse auf die Blüten aufgetragen. Im Bio Bereich werden andere Sorten angebaut und ausschließlich biologisch zugelassene Mittel verwendet. Die Bestäubung der Apfelbäume erfolgt durch gezielt aufgestellte Bienenvölker. Zusätzlich kommen Marienkäfer um Schädlinge auf natürliche Weise zu reduzieren. Die Jahresproduktion beträgt rund 450 t Äpfel, mit einem derzeitigen Auszahlungspreis vom 65 ct/kg. Zur Optimierung der Ernteprozesse wurde eine neue Anlage im Wert von 100.000 € angeschafft. Während die Ernte weiterhin primär manuell erfolgt, wird diese nun durch den Einsatz von Hebebühnen sowie die neu installierten Förderbänder effizient unterstützt, wodurch sich der Erntezeitraum auf etwa drei Wochen beläuft. Es braucht ca. eine Arbeitskraft um 8 – 10 ha Äpfel zu ernten.
Großbäckerei Madeleine Bijou
Anschließend besuchten wir die Großbäckerei ‚Bijou‘ in Saint-Yrieix-la-Perche, ein Familienunternehmen, dessen Ursprung bis in das Jahr 1845 zurückreichte. Anfangs handelte es sich um eine kleine Bäckerei, die 1970 aus der Stadt hinauszog und sich auf die Herstellung von Madeleines spezialisierte. Die Rezeptur basiert auf einen Familienrezept des Urgroßvaters dieser Zeit.
Madeleines sind ein historisches Gebäck das historisch fast seit zwei Jahrhunderten bekannt ist. Der Legende nach entstand ihre typische Muschelform auf dem Jakobsweg, ein Mädchen namens Madelein soll die kleinen Küchlein in Muschelform an die Wanderer verkauft haben. Den typischen „Hügel“ der Madeleines entsteht durch den schnellen Temperaturwechsel beim Backen in den speziellen Öfen.
Über die Jahre wurde das Sortiment stetig erweitert, so auch im Jahr 2000 um weitere Keksarten. Die klassischen Madeleines machen jedoch mit einem Anteil von einem Drittel nach wie vor den größten Teil der Produktion aus. Heutzutage produziert Bijou 300.000 Madeleines am Tag. Die Qualität der Produkte steht dabei im Vordergrund, die meisten Zutaten stammen aus der Region zum Beispiel Mehl und Zucker. Dabei sorgt ein Chargensystem dafür, dass jede Zutat genau zurückverfolgt werden kann, falls es zu Schadensfällen kommt.
Jede Madeleine wird einzeln verpackt da diese schnell austrocken und durch die richtige Foliendicke kann dies gewährleistet werden. Pro Tag werden etwa 6.000 Verpackungsboxen verarbeitet, mit einer Geschwindigkeit von 8 Verpackungen pro Minute.
Die Lagerung der Madelines erfolgt bei einer Temperatur von 18 bis 22 Grad um ihre Frische zu gewährleisten. In der Produktion arbeiten moderne Maschinen und Roboter, die die Bestellungen vorsortieren, während die finale Verpackung von Hand erfolgt, da Bijou nur auf Bestellung produziert. Der Vertrieb erfolgt ausschließlich über Direktvermarktung innerhalb Frankreichs. Bijou vertreibt vier eigene Läden und nutzt eigene Transporter um die Bestellungen auszufahren.
Bijou legt großen Wert auf Umweltverträglichkeit. Das Unternehmen bemüht sich, Wasser- und Stromverbrauch zu reduzieren und betreibt eine eigene Wasseraufbereitung mit Mikroorganismen. Wie eine eigene Kläranlage, dafür sind sie auch seit 2009 zertifiziert.
Der Betrieb läuft im drei-Schicht Betrieb von Montag bis Freitag, wobei die Nachtschicht freiwillig ist. Wochenendbedarf findet nur sehr selten statt. Insgesamt beschäftigt die Bäckerei 230 Mitarbeiter mit Transport- und Produktionsarbeiter zusammen.
Im Anschluss wurde uns der Produktionsablauf detailliert erläutert; die wesentlichen Aspekte sind nachfolgend kurz zusammengefasst: Der Bäcker mischt am frühen Morgen den Teig in der gewünschten Menge an, dabei wird in einen festen Sandteig und einem flüssigen Teig unterschieden. Anschließend wird der Teig über ein Förderband in der Abfüllung transportiert und in den jeweiligen Förmchen gefüllt und anschließend werden Madeleines für 7 bis 12 min bei 200 Grad gebacken. Danach werden sie mit Ventilatoren abgekühlt und zum Schluss werden die Gebäcke teilweise in Schokolade getaucht. Anschließend werden diese einzeln verpackt und durch Scanner geprüft und in Kartons gesammelt verpackt und zur Verladung transportiert.
Maschinengemeinschaft in Saint Triao
Zunächst erhielten wir einen Einblick in die allgemeine Historie solcher Gemeinschaften. Diese entstanden bereits um 1950, als mehrere Landwirte gemeinsam in Maschinen investierten, um Kosten zu sparen. Eine Maschinengemeinschaft besteht aus mindestens vier Personen, häufig sind es jedoch zwischen 10 und 200 Mitglieder. Dabei handelt es sich überwiegend um Ackerbauern, Viehwirte und Obstbauern. Die Mitglieder erwerben Anteile an der Genossenschaft und zahlen eine Aufnahmegebühr, die sich nach dem individuellen Maschinenbedarf richtet. Zusätzlich entstehen Maschinenkosten, die je nach bearbeiteter Hektarfläche berechnet und am Jahresende abgerechnet werden. In Frankreich gibt es insgesamt etwa 123.000 solcher Gemeinschaften mit durchschnittlich 23 Mitgliedern.
Die von uns besichtigte Gemeinschaft wurde 1980 von 20 Landwirten gegründet und zählt heute rund 100 Mitglieder. Sie bewirtschaftet eine Fläche von etwa 10.000 Hektar in einem Umkreis von 35 km und erzielt jährlich einen Gewinn von etwa 320.000 Euro. Der Maschinenpark ist sehr umfangreich und umfasst unter anderem Schlepper, einen Drescher, Häcksler, Pressen, Pflüge, Sämaschinen sowie Spezialmaschinen für Obst- und Weinbau. Für anspruchsvolle Arbeiten wie Dreschen oder Pressen sind festangestellte Mitarbeiter zuständig.
Besonders interessant war das digitale System „Karnott“, ein GPS-Tracker, der in den Maschinen verbaut ist. Damit werden die bearbeiteten Flächen automatisch erfasst und die Abrechnung direkt in die Buchführung übernommen. Ein solches Gerät kostet etwa 400 Euro und soll künftig durch ein moderneres System namens Samsys ersetzt werden.
Die Organisation der Maschinen erfolgt in Gruppen, die von insgesamt sieben Personen verwaltet werden. Für jede Gruppe ist eine einmalige Startgebühr von 50 Euro zu zahlen, diese kann an die nächste Generation weitergegeben werden. Mitglieder, die Maschinen nutzen, sind verpflichtet, diese ordnungsgemäß zu warten und sauber zurückzugeben. Über Neuanschaffungen wird je nach Größe der Investition unterschiedlich entschieden: kleinere Anschaffungen durch einen kleinen Rat, größere nur durch Beschluss aller Mitglieder.
Insgesamt war die Besichtigung sehr interessant und hat gezeigt, wie effizient Zusammenarbeit in der Landwirtschaft organisiert werden kann.
Vor unserem Besuch auf dem landwirtschaftlichen Betrieb „Trenalaud“ gingen wir zunächst zum Mittagessen in die betriebseigene Metzgerei, welche dem Mann der Betriebsleiterin gehört.
Der Familienbetrieb umfasst somit neben der Tierzucht, auch eigene Vermarktung.
Heute wird der Betrieb von der Betriebsleiterin geführt, welche ihn im Jahr 2013 vollständig übernahm, nachdem er zuvor von 1954 bis 2013 nur gepachtet war.
Bereits 1954 wurde der Betrieb von ihren Großeltern gepachtet und aufgebaut. Die Tradition der Limousin-Zucht reicht jedoch noch weiter zurück; schon seit etwa 1860 wurde auf dem Betrieb gezielt die Rasse Limousin rein gezüchtet, ohne Einkreuzung anderer Rassen. Damit gilt der Betrieb als eine Art „Geburtsstätte“ dieser Rasse in der Region.
Heute umfasst der Betrieb rund 140 Hektar landwirtschaftliche Fläche, davon sind etwa 130 Hektar Eigenland und 10 Hektar gepachtet. Die Flächen verteilen sich auf zwei Standorte, die etwa 5 km voneinander entfernt liegen.
Auf dem Betrieb werden rund 100 Mutterkühe gehalten, die seit 1960 im Herdbuch eingetragen sind. Bereits seit diesem Zeitpunkt nimmt der Betrieb auch regelmäßig an Zuchtwettbewerben teil.
Die Betriebsleiterin arbeitet mit insgesamt fünf Deckbullen, wobei jährlich ein neuer Bulle, von der Zuchtbullenstation in der Nähe, zugekauft wird. Gleichzeitig wird ein anderer Bulle abgegeben, wenn er nicht mehr optimal in das Zuchtkonzept passt. Etwa 5 % der Besamungen erfolgen künstlich, durch einen Besamungstechniker, der Großteil jedoch durch Natursprung. Die Betriebsleiterin steht der künstlichen Besamung grundsätzlich offen gegenüber, möchte diese aber nicht primär zu schnellen Leistungssteigerungen nutzen, sondern legt großen Wert auf die eigene Herde, deren Eigenschaften sie genau kennt. Perspektivisch möchte sie die Besamungen irgendwann selbst durchführen können.
Weiterhin liegt ein besonderes Augenmerk auf der Zuchtqualität. Kriterien wie Bemuskelung, Knochenbau, Beckenbreite und Brusttiefe (wichtig für Futteraufnahme) werden genau beurteilt. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 bis 10, wobei die Tiere des Betriebes meist Werte zwischen 8 und 10 erreichen. Unerwünschte Merkmale wie ein Hohlkreuz werden konsequent ausgeschlossen.
Auch spielt die Datenerfassung eine wichtige Rolle; die Kälber werden direkt nach der Geburt gewogen, erneut nach 120 Tagen und später nochmals bewertet. Ab einem Alter von 7 Monaten erfolgt zusätzlich eine Exterieurbeurteilung, um die Vorrausetzungen für die Eintragung ins Herdbuch zu erfüllen. Beide Elterntiere ebenfalls im Herdbuch eingetragen sein. Zudem werden moderne Methoden wie Genotypisierung (DNA-Analyse über Haare/Fell) genutzt, um fundierte Zuchtentscheidungen zu treffen. Alle Daten werden in einer Datenbank erfasst und für die Zuchtwertschätzung genutzt.
Ein wichtiger Bestandteil des Betriebes sind Zuchtschauen. Schaukühe werden separat gehalten und bereits ab einem Alter von etwa vier Wochen trainiert. Die Schauen dienen vor allem dem Aufbau eines guten Rufes und der Vermarktung von Zuchttieren. Die Betriebsleiterin ist selber Preisrichterin und bringt viel Erfahrung mit.
Die Reproduktion ist klar organisiert; das Erstkalbealter liegt bei etwa 2,5 Jahren, Ziel ist ein Kalb pro Jahr. Nach rund vier Kalbungen werden die meisten Kühe geschlachtet, erfolgreiche Schautiere bleiben länger im Bestand. Eine Kuh erreichte sogar ein Alter von 14 Jahren.
Wirtschaftlich werden jährlich etwa 12 Bullen verkauft. Die Preise liegen bei ca. 4500 Euro für durchschnittliche Bullen. Bei Spitzenbullen sind es rund 7100 Euro. Auch Färsen und männliche Kälber werden je nach Nachfrage verkauft.
Zusätzlich nutzt der Betrieb erneuerbare Energien; eine Photovoltaikanlage ist bereits installiert und wurde an einen Investor für 30 Jahre verpachtet.
Insgesamt verbindet der Betrieb Tradition mit moderner Zucht und setzt auf Qualität, Datenanalyse und Wettbewerbe sowie auf eigene Vermarktung durch die Metzgerei.
Am Abend organisierten die französischen Schülerinnen und Schüler einen gemeinsamen Spieleabend, der vollständig von ihnen vorbereitet und gestaltet wurde. Dieser Abend bot nicht nur eine willkommene Abwechslung zum fachlichen Programm, sondern diente vor allem dem Aufbau und der Vertiefung internationaler Kontakte. In einer offenen und entspannten Atmosphäre konnten wir uns besser kennenlernen, Erfahrungen austauschen und kulturelle Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten entdecken.
Besonders im Hinblick auf die Landwirtschaft war dieser persönliche Austausch von großer Bedeutung. Durch Gespräche während des Abends ergaben sich interessante Einblicke in die jeweiligen landwirtschaftlichen Strukturen, Arbeitsweisen und Herausforderungen der verschiedenen Länder. So konnten wertvolle Verbindungen geknüpft werden, die auch für zukünftige Kooperationen im Bereich Landwirtschaft von Nutzen sein können.
Freitag, 27.03.2026
An unserem vorletzten Tag unserer Frankreichreise brachen wir nach dem Frühstück zu der Apfelvermarktungsgenossenschaft Limdor auf.
Limdor unterteilt sich in 3 Produktionsverfahren – Honig, Apfel und Esskastanien – insgesamt beschäftigt das Unternehmen 130 Angestellte.
Als Erstes schauten wir uns die Honigproduktion genauer an. In diesem Produktionsverfahren arbeiten 2 Mitarbeiter. In der Hochsaison, welche von Juli bis August geht, arbeiten auch noch mehrere Saisonarbeitskräfte im Betrieb. Insgesamt erhalten sie Produkte von 2200 Bienenvölkern. Daraus verarbeiten sie 26 bis 30 Tonnen Honig pro Jahr. Der Honig setzt sich aus Zucker und Wasser zusammen. 2025 gab es ein sehr gutes Ergebnis von 31 Tonnen Honig. Ihr schlechtestes Jahr brachte mit 13 Tonnen deutlich weniger. Bei Normalbetrieb (5 Tage pro Woche) werden pro Tag 1,5 Fässer mit einem Fassungsvermögen von je 280 kg abgefüllt. Limdor vermarktet ihr Produkt in Supermärkten davon 80 % in Frankreich und 20 % geht in den Export. Befüllt werden 500 g, 375 g und 100 g Gläser.
Das Leben einer Biene läuft folgendermaßen ab:
1. bis 3. Tag: Reinigung des Bienenstocks
4. bis 10. Tag: Ernährung der Larven
10. bis 12. Tag: Suchen von geeigneten Sammelflächen
13. bis 18. Tag: Wachsherstellung
19. bis 21. Tag: Verteidigung des Bienenstocks
Ab 22. Tag: Sammeln von Nektar
Limdor arbeitet mit vielen Imkern zusammen. Die Imker bekommen von dem Betrieb die Bienenstöcke und -völker gestellt. Das bringt den Vorteil, dass die Imker einen geringen Kapitaleinsatz haben. Jeder Imker erhält eine Parzelle, die mit seiner Losnummer versehen ist, sodass der Honig zurückverfolgt werden kann.
In der Honigernte von Juli bis August bringen die Imker ihre Waben gekennzeichnet mit der Losnummer. Bei der Anlieferung wird als aller erstes der Feuchtigkeitsgrad, der unter 21 % liegen soll, gemessen. Die Waben kommen anschließend in eine Wärmekammer bei 30°C, damit der Honig flüssiger wird, um ihn besser von dieser lösen zu können.
Danach wird jede Wabe einzeln in eine Maschine gestellt, diese kratzt zuerst den Honig mit heißem Messer ab und daraufhin läuft die Wabe in eine Zentrifuge. Diese schleudert den Honig an den Rand. Der Honig gelangt über eine Rampe, Schnecke und Schlauch in die erste von vier Filterstationen. Dort werden Wachsreste oder andere Schmutzpartikel gefiltert. Als Nächstes wird der Honig mit einer Pumpe in die 280 kg Fässer gepumpt. Das Fass wird ebenfalls gekennzeichnet. Im Fass setzen sich Wachsreste ab. Diese werden abgeschoben und an die Bienenvölker verfüttert. Danach kommen die Fässer in eine Kühlung von 13°C. In diesen Kühlraum passen 30 Tonnen Honig. Je nach Nachfrage der Supermärkte kommen die Fässer vor dem Abfüllen in eine Wärmekammer und werden dort mittels eines Wärmestabs wieder verflüssigt. Der Honig darf nicht über 50°C erhitzt werden.
Nach dem Erwärmen wird das Fass an eine Pumpe angeschlossen. Die Pumpe pumpt den Honig nochmals durch einen Filter und von dort in den Abfüllbehälter. Die Dosieranlage dosiert die Menge des Honigs. Der Deckel muss anschließend per Hand aufgeschraubt werden. An einem Glas erfolgt die Qualitätskontrolle mit Zucker, Geschmack, Farbe und Feuchtigkeit. Außerdem wird kontrolliert, ob sich Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Schwermetalle darin befinden. Abschließend wird das fertige Produkt mit einem Etikett bedruckt.
Natürlich durften wir zum Schluss den köstlichen Honig probieren.
Der Betriebszweig Limdor-Apfelvermarktung ist eine Genossenschaft mit rund 50 Apfelproduzenten, die sich auf die Lagerung, Sortierung und Vermarktung von Äpfeln spezialisiert hat. Die Äpfel werden in 32 Kühlkammern, welche jeweils eine Kapazität von 15000 Tonnen haben, gelagert. Der Betrieb beschäftigt etwa 80 Vollzeitmitarbeiter sowie zusätzlich rund 40 Saisonarbeitskräfte.
Die Erntezeit dauert vom 10. September bis etwa 20. Oktober. Die Äpfel werden entweder von den Landwirten selbst angeliefert oder über Speditionen transportiert. Bereits auf dem Feld sowie bei der Anlieferung werden Proben genommen und deren Qualität geprüft. Dabei werden unter anderem Zucker- und Säuregehalt, Festigkeit, äußeres Erscheinungsbild und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln kontrolliert.
Nach der Anlieferung werden die Äpfel zunächst bei Temperaturen von 0 bis 0,5 °C in einer der 32 Kühlkammern gelagert und nach Bedarf vorsortiert und erneut eingelagert. Hierbei spielt die Reduzierung des Sauerstoffgehalts auf etwa 1–2 % eine große Rolle. So werden die Äpfel für bis zu einem Jahr haltbar gemacht. Die Kammeröffnung erfolgt dann meist am Wochenende, sodass die Kammer wegen des geringen Sauerstoffgehalt nicht betreten wird und ein guter Luftaustausch stattfinden kann. Danach folgt eine weitere Sortierung, von dort aus werden sie entweder direkt verkauft oder es erfolgt eine weitere Lagerung bei etwa 4–5 °C.
Die Sortierung erfolgt nach Größe, Farbe und Qualität und wird teilweise automatisiert durchgeführt. Die Sortierung erfolgt im Wasser, so werden die Äpfel geschont. Jeder Apfel wird kontrolliert und anschließend entsprechend verpackt. Große Äpfel werden meist in Kisten verkauft, kleinere in Kartons oder Säcken. Alle Produkte werden genau gekennzeichnet, z. B. mit Herkunft, Erntedatum und Qualitätswerten. Die tägliche Verarbeitungsmenge schwankt je nach Saison zwischen etwa 50 und 120 Tonnen. In den Monaten Januar bis März wird im Drei-Schicht-System gearbeitet, sonst im Zwei-Schicht-System. Für die Sortierung werden etwa vier Mitarbeiter benötigt, bei der Verpackung je nach Größe der Äpfel mehr.
Ein wichtiger Kostenfaktor ist die Energie für die Kühlung, besonders bei der Ernte, wenn die Kühlräume heruntergekühlt werden müssen. Die Energiekosten liegen bei bis zu 500.000 € jährlich, können aber durch eine Photovoltaikanlage, die etwa 15 % des Strombedarfs deckt, gesenkt werden.
Die Vermarktung erfolgt zu etwa 80 % über Supermärkte und zu 20 % über den Export, beispielsweise nach Spanien, Belgien und in die Niederlande. Äpfel mit geringerer Qualität werden entweder direkt günstiger verkauft oder weiterverarbeitet, zum Beispiel zu Apfelsaft oder Kompott.
Ziel der Genossenschaft ist es, für alle Mitglieder das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und eine gleichbleibend hohe Qualität der Äpfel sicherzustellen.
Nach dem Mittagessen in unserer Partnerschule fuhren wir in die Stadt Limoges. Dort stand uns der Nachmittag zur freien Verfügung. Wir konnten die schöne Altstadt mit ihren historischen Gebäuden und kleinen Gassen erkunden. Außerdem hatten wir die Möglichkeit durch die vielen Geschäfte zu bummeln, Souvenirs zu kaufen oder uns in einem Café zu entspannen. Einige von uns nutzten die Zeit auch, um den botanischen Garten zu besuchen oder einfach die Atmosphäre der Stadt zu genießen. Besonders beeindruckend war die Kathedrale Saint-Étienne.
Samstag, 28.03.2026
An unserem letzten Tag in Frankreich brachen wir nach einem ausgiebigen Frühstück in Richtung Paris auf. Dort bekamen wir zuerst eine sehr interessante Stadtführung, bei der wir die wichtigsten Wahrzeichen von Paris entdecken konnten. Anschließend hatten wir Freizeit und ließen den Abend in der Stadt der Lichter mit Sightseeing, gutem Essen, vielen Fotos und vor allem mit unseren Freunden ausklingen.
Wir danken dem Bezirk Mittelfranken sowie dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) sehr herzlich für die großzügige Förderung, ohne die die Realisierung dieses bereichernden Schüleraustauschs nicht möglich gewesen wäre. Wir haben uns sehr gefreut Herrn Popp, den Beauftragten der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf – vom Bezirk Mittelfranken, in unserer Gruppe begrüßen zu dürfen und ihm wertvolle Einblicke in unsere Aktivitäten vor Ort zu ermöglichen. Ebenso danken wir Herrn Hein und Frau Eff für ihr Engagement, unserem Dolmetscherteam – Lisa und Pit – für die wertvolle Unterstützung sowie unseren Busfahrern, die uns sicher und zuverlässig begleitet haben.
Text: Schülerinnen und Schüler der Klassen L11a, L11b, L12c, L12d, M11b, FAS11b, HDL25 und K. Eff (OStRin)
Bilder: Schülerinnen und Schüler der Klassen L11a, L11b, L12c, L12d, M11b, FAS11b, HDL25 und K. Eff (OStRin)
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