Antisemitismusprävention:
BIKa besucht die Synagoge in Ansbach
Am 19.03.2026 verlegten wir den Unterricht der Klasse BIKa im Rahmen des Projekts zur Antisemitismusprävention in die Ansbacher Synagoge. Die beiden Lehrkräfte, Frau Bühler-Saal und Frau Bergler, begleiteten die Klasse.
Herr Diezinger, Stadtführer, begrüßte die Gruppe vor der Synagoge und erklärte, dass die Synagoge in der Reichspogromnacht aufgrund der Nähe zu den Häusern in der Altstadt nicht abgebrannt werden konnte. Sie überstand die Kriegsjahre fast unbeschadet. Seit 1964 ist die Synagoge, die 1744 erbaut wurde, ein Museum. Um ihren Erhalt kümmert sich die Ortsgruppe Ansbach des Frankenbundes e. V., bei dem sich auch Herr Diezinger ehrenamtlich engagiert.
In der Synagoge stellte er viele Parallelen zu anderen Glaubensrichtungen - vor allem zum Islam und zum Christentum - her: z. B. die Ausrichtung nach Osten, die hebräische Schrift, die von rechts nach links geschrieben wird, die Frauen sitzen von den Männern getrennt, damit die Männer nicht von der Schönheit der Frauen abgelenkt werden. Er zeigte den Schülerinnen und Schülern die Kippa, die Kopfbedeckung jüdischer Männer.
Im Judentum gibt es 613 Regeln bzw. Ge- und Verbote. Die Menora, der 7-armige Leuchter, ist das Symbol dafür, dass Gott die Welt in 6 Tagen erschaffen hat, der 7. Tag ist der Ruhetag, der bei den Juden am Freitagabend beginnt. Am Sabbat darf nicht gearbeitet werden.
Herr Diezinger verwies auf weitere Symbole, die in der Synagoge zu finden sind. Der Löwe, der auch in der Flagge Jerusalems zu finden ist, ist ein Symbol für die Abstammung vom Stamm Juda, der Granatapfel hat 613 Kerne – es gibt 613 Gebote.
Interessant war auch, dass eine Thorarolle 50.000 Euro kostet. In einer Synagoge, die als Gotteshaus genutzt wird, werden 5 Thorarollen gebraucht, so dass die Gemeinde 250.000 Euro aufbringen muss. Damit ein Gottesdienst stattfinden kann, müssen außerdem 10 erwachsene Männer (ab 13 Jahren) anwesend sein.
Besonderes Interesse fanden bei den Schülerinnen und Schülern der Hochzeitsstein, Chuppa, und das Ritualbad, die Mikwe. Hier konnte bei dem fließenden Wasser des Mühlbachs, das rituelle Bad vorgenommen werden.
Vor der Synagoge machte Herr Diezinger die Klasse auf die Stolpersteine aufmerksam und erklärte deren Bedeutung. Es sind inzwischen 138 Stolpersteine in Ansbach verlegt – zum Gedenken an ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die aus Ansbach vertrieben oder ermordet wurden oder noch rechtzeitig fliehen konnten.
Zum Abschluss der Führung durften wir den Herrieder Torturm besteigen. Wir erklommen die 127 Stufen nach oben und schafften somit 47 Höhenmeter. Faszinierend war der Blick über die Stadt Ansbach. Man konnte von oben sehr gut erkennen, wie eng die Häuser der Altstadt zusammen stehen und wie zerstörend ein Feuer in der Altstadt wäre.
Bericht und Fotos: Inge Bühler-Saal, StDin a.D.
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